Bikepacking Guide

Vier Räder bewegen den Körper; zwei Räder die Seele

Dein Weg ins Abenteuer

„Bikepacking ist mehr als Radfahren mit Taschen. Es bedeutet, mit dem Nötigsten loszufahren, neue Wege zu entdecken und Hamburg oder die ganze Welt aus einer anderen Perspektive zu erleben!

Was bedeutet eigentlich Bikepacking?

Viele denken bei Bikepacking sofort an extrem lange Touren. Tatsächlich beginnt es viel kleiner: Du nimmst nur das mit, was du wirklich brauchst, befestigst dein Gepäck direkt am Rad und fährst los. Auf Schotterwegen, Deichen, Waldpfaden oder ruhigen Landstraßen. Es ist die moderne, leichte Form des Radreisens. Du brauchst auch kein teures Spezialrad. Das perfekte Bikepacking-Rad ist das, das du schon hast! Es geht nicht zwingend darum, den Trends hinterherzulaufen und den Reifen zu fahren, der noch die letzten 5-10 Watt einspart. In erster Linie geht es um das Abenteuer!

Bikepacking fühlt sich schnell intuitiv an: weniger Ballast, mehr Flow, mehr Spontanität. Und genau das macht es so beliebt! Also… worauf warten?!

Worauf es wirklich ankommt

Beim Bikepacking geht es nicht um teure Ausrüstung oder Rekordkilometer, sondern um die richtige Kombination aus Planung, Praxis und Gelassenheit. Wer die folgenden Grundprinzipien verinnerlicht, wird auf jeder Tour sicherer, entspannter und letztlich auch besser unterwegs sein. Egal ob Einsteiger oder Langstreckenfahrer.

Leicht packen

Reduziere dein Gepäck konsequent auf das, was du wirklich brauchst. Gewicht und Volumen entscheiden über Fahrgefühl und Reichweite.

Das richtige Setup

Straße, Gravel, Trail: wähle Taschen, Reifen und Übersetzung immer nach dem Terrain und nicht nach aktuellen Trends.

Energiemanagement

Regelmäßig essen, früh trinken, Reserven mitnehmen. Viele Touren scheitern nicht an Ausrüstung, sondern an schlechter Versorgung.

Offline-Karten, GPX-Backups und ein System, das du im Schlaf bedienen kannst. Technik kann ausfallen, Vorbereitung nicht.

Overnighter?

Ob Biwak, Tarp, Hotel oder Shelter: Entscheidend ist, dass du gut schläfst und am nächsten Tag fit bist. Comfort is king!

Selbsthilfe

Platten Reifen flicken, Bremsen nachjustieren, Kette einsetzen: Grundkentnisse sparen Zeit, Stress und Tourabbrüche.

Deine Ausrüstungs Checkliste

Der Erfolg deines Abenteuers beginnt also mit der richtigen Planung und der passenden Ausrüstung! Um dir den Einstieg zu erleichtern und dein Bikepacking Setup für Hamburg und Norddeutschland zu perfektionieren nutze die folgende Navigationsliste, um schnell und gezielt alle Details zu den essenziellen Komponenten zu finden:

1. Das Fahrrad – Der Grundstein deiner Tour

Der Typ: Suchst du nach dem besten Bikepacking Fahrrad für Hamburg? Das Gravelbike hat sich hier als klare Empfehlung durchgesetzt. Es kombiniert die Geschwindigkeit eines Rennrads auf dem Asphalt der Elbdeiche mit der Robustheit, die du auf sandigen oder schottrigen Wegen im Alten Land oder der Heide benötigst.

Reifenwahl: Für die norddeutsche Ebene sind Reifenbreiten zwischen 38 mm und 50 mm der Sweet Spot. Sie bieten ausreichend Dämpfung und Grip für weichen Sand und Schotter, ohne auf langen Asphaltpassagen zu viel Rollwiderstand zu erzeugen.

Kontaktpunkte: Da die Routen oft viele Kilometer geradeaus führen, spielt die Ergonomie eine Rolle. Ein ergonomischer Sattel und Bar-Ends oder Aero-Aufsätze am Lenker entlasten Hände und Nacken und machen deine Bikepacking Tour rund um Hamburg deutlich komfortabler.

2. Die Taschen – Weniger ist mehr

Satteltasche (Seatpack): Hier gehört komprimierbare Kleidung und der Schlafsack hinein. Achte auf eine robuste, wasserdichte Tasche mit einer stabilen Halterung, um seitliches Schwingen zu minimieren. Das sogenannte „Sway“ kann nerven und dich auf unebenen Wegen aus dem Konzept bringen. Am besten machst du eine kurze Tour von wenigen Kilometern vor der eigentlichen Tour, um zu checken ob alles sitzt.

Rahmentasche (Framebag): Hier verstauen wir alles Schwere, wie das Fahrradwerkzeug, das Wasserreservoir (Trinkblase) oder schwere Verpflegung. Durch die tiefe, mittige Platzierung optimierst du den Schwerpunkt deines Rades. Zusätzlich empfehle ich hier Dinge zu verstauen, an die du tendenziell öfter ran musst, da der Zugang hier deutlich einfacher ist, als bspw. in der Satteltasche zu graben.

Lenkerrolle (Handlebar Roll): Ideal für die Isomatte und das Zelt/Tarp. Die Rolle sollte 100% wasserdicht sein, da sie dem Fahrtwind und Regen direkt ausgesetzt ist. Beachte hierbei auch die Breiten der jeweiligen Handlebar Rolls, da diese teilweise die Griffpositionen, insbesondere bei Rennradlenkern, einschränken können.

Top-Tube-Tasche: Für schnell zugängliche Gegenstände wie Snacks, Handy, Kamera oder Powerbank. Hier gibt es unzählige Varianten. Schaue einfach, was am besten zu deiner Tour und natürlich deinem Bike am besten passt.

Eine zuverlässige Navigation und Energieversorgung sind bei längeren Touren durch bspw. dünn besiedelten Gebiete unerlässlich.

Die Navigationsstrategie: Ein GPS-Gerät (Garmin, Wahoo, etc.) oder ein robustes Outdoor-Smartphone sind die erste Wahl für Bikepacking Routenplanung. Ich empfehle die Nutzung von Komoot für die Vorbereitung und das Herunterladen der GPX-Dateien, um auch ohne Mobilfunkempfang (der in manchen Waldstücken ausfallen kann) sicher zu navigieren.

Energie-Management: Eine hochkapazitive Powerbank ist das Minimum für mehrtägiges Bikepacking. Für die absolute Unabhängigkeit ist ein Nabendynamo mit integriertem USB-Ladeausgang die Königsklasse. Diese Lösung erlaubt es dir, während der Fahrt deine Geräte zu laden. Perfekt für lange Tage auf dem Deich.

4. Der Overnighter

Die Nächte im Norden können auch im Sommer feucht und frisch werden. Hier sollte nicht gespart werden.

Der Schlafsack: Aufgrund der Küstennähe und der Feuchtigkeit ist ein Komfortbereich von 0°C bis 5°C selbst in den Übergangszeiten ratsam. Ein Daunenschlafsack ist leicht und komprimierbar, muss aber vor Nässe geschützt werden.

Die Schlafunterlage (R-Wert): Die Kälte kommt von unten! Achte auf eine gut isolierte Isomatte (Hoher R-Wert), die Feuchtigkeit vom Boden abhält. Der R-Wert einer Isomatte
gibt ihren Wärmedurchgangswiderstand an, also wie gut sie die Körperwärme vom kalten Boden isoliert: Je höher der R-Wert (meist 1-8+), desto besser die Isolierung.

Unterkunft: Ein leichtes, schnell aufzubauendes Bikepacking Zelt, eine Hängematte oder ein Tarp-Setup bieten essenziellen Schutz. An dieser Stelle rate ich dazu, die „Unterkunft“ vorher zu testen und einmal alles auf und ab zu bauen, da es bei jeder Variante noch kleine Kniffe und Tricks gibt.

5. Werkzeug & Sicherheit

Ein zuverlässiges Fahrrad-Werkzeugset erspart dir lange Wartezeiten im Nirgendwo.

Pannenhilfe: Ein Multitool mit Kettennieter ist Pflicht. Dazu Reifenheber, Flickzeug, eine kleine Luftpumpe und, falls Tubeless gefahren wird, Reifenplugs. Das ist die Standardausrüstung und sollte bei jedem längeren Trip mit dabei sein.

Erste Hilfe: Ein kompaktes Erste-Hilfe-Set gehört immer in die Rahmentasche. Zumindest um kleine Wunden mit Pflastern zu versorgen oder Schürfwunden zu desinfizieren.

Spezial-Tipp Norddeutschland: Starker Mückenschutz für die Abendstunden an Flussläufen und Zeckenzange für Touren durch hohe Gräser und Wälder.

Packliste für dein Overnighter

Eine gute Packliste macht den Unterschied zwischen „irgendwie überstanden“ und einer richtig guten Bikepacking-Nacht draußen. Für einen klassischen Overnighter brauchst du nicht viel… aber das Richtige. Hier findest du eine klar strukturierte Packliste, basierend auf den Essentials, die im Guide oben bereits genannt wurden sowie meinen Empfehlungen:

Bike & Technik

  • Multitool mit Kettennieter
  • Ersatzschlauch + Flickset
  • Minipumpe oder CO₂-System
  • Kettenöl & kleines Tuch
  • Powerbank (10.000+ mAh)
  • USB-Lichtset / Akku-Fahrradlampen
  • GPX-fähiger Tacho oder Smartphone-Halterung
  • Kabelbinder & ein kleines Stück Panzertape

Kochen & Verpflegung

  • Leichter Kocher + Gaskartusche
  • Titan- oder Alu-Topf
  • Löffel/Spork
  • Fertigmahlzeit / Trekkingfood
  • Snacks (Nüsse, Riegel, Trockenfrüchte)
  • Wasserflaschen oder Hydration Pack
  • Mini Kaffee-Setup
  • Müllbeutel (Leave No Trash!)

Schlafen & Shelter

  • Leichtes Tarp / Zelt / Hängematte
  • Schlafsack
  • Isomatte / Airpad
  • Biwaksack (optional)
  • Inlay für mehr Komfort
  • Ohrstöpsel
  • Kompakte Heringe + Abspannleine

Kleidung & Persönliches

  • Funktionsunterwäsche fürs Schlafen
  • Leichte Daunen- oder Isolationsjacke
  • Regenjacke / Windbreaker
  • Wechseltrikot & Socken
  • Mütze oder Buff für kühle Nächte
  • Handschuhe (Übergang)
  • Kleine Reiseapotheke inkl. Pflaster & Schmerzgel
  • Hygiene-Set (Zahnbürste, Mini-Seife, Feuchttücher)